T4-TDI Ladeluftkühler reinigen und Haltegummis erneuern – Ölablagerungen beseitigen und Scheuern an der Haube stoppen

Wenn Du einen VW T4 Multivan mit dem bewährten 2.5 TDI Motor – in meinem Fall der unverwüstliche ACV – fährst, kennst Du mit Sicherheit das beruhigende Nageln des Fünfzylinders. Für mich gehört es dazu, wenn ich meinen Bus vor der Haustür starte und mich auf die nächste Reise mache oder mit dem großen Hänger dran zu meinem Haus in Siebenbürgen fahre. Rumänien begleitet mich nun schon seit 2006, und die Fahrten zu unserem alten Bauernhaus fordern dem Material einiges ab. Ein voll beladener Campervan mit Heckauszug, Euroboxen und einer autarken Stromversorgung bringt ordentlich Gewicht auf die Waage. Der Hänger hinten dran bringt meist auch über eine Tonne auf die Waage. Da muss die Technik nhundert Prozent verlässlich arbeiten.

Im Laufe der Jahre und mehrerer hunderttausend Kilometer auf dem Tacho schleichen sich bei unseren Bussen jedoch kleine, oft unbemerkte Probleme ein, die nicht nur auf den Fahrkomfort schlagen, sondern auch massiv Leistung kosten können. Ein klassisches Thema, das bei der Wartung oft vernachlässigt wird, ist ein intern verölter Ladeluftkühler gepaart mit porösen, ausgeschlagenen Haltegummis.

Vielleicht hast Du in letzter Zeit ein nerviges Klappern oder Vibrieren aus dem vorderen Motorraum bemerkt, besonders im Leerlauf an der Ampel oder beim untertourigen Anfahren. Oder Du hast beim regelmäßigen Blick unter die Motorhaube festgestellt, dass der Ladeluftkühler bereits an der Dämmmatte der Motorhaube scheuert. Oft geht all das mit einem schleichenden Leistungsverlust einher, den man anfangs kaum bemerkt, der sich aber auf Passstraßen oder beim Überholen bemerkbar macht. Die Ursache ist simpel: Die Ladeluft wird nicht mehr optimal heruntergekühlt. Genau hier setzen wir heute an. In diesem Beitrag bekommst Du eine Anleitung an die Hand, wie Du den VW T4 Ladeluftkühler reinigst und dieses Problem selbst beheben kannst.

Die Thermodynamik im ACV: Warum der Fünfzylinder so stark auf Kühlung angewiesen ist

Um wirklich zu verstehen, warum ein sauberer Ladeluftkühler so wichtig ist, müssen wir kurz in die grundlegende Thermodynamik und Physik eines Turbodiesels abtauchen. Der Turbolader im T4 presst Frischluft mit hohem Druck in die Brennräume. Durch diese physikalische Verdichtung der Luft passiert jedoch etwas Unvermeidliches: Die Luft erhitzt sich. Heiße Luft dehnt sich aus, was bedeutet, dass ihre molekulare Dichte drastisch abnimmt. Folglich befindet sich in einem Kubikzentimeter heißer Ladeluft deutlich weniger Sauerstoff als in einem Kubikzentimeter kalter Luft.

Hier kommt der Ladeluftkühler (kurz LLK) ins Spiel. Er sitzt beim T4 TDI (ACV) direkt oben auf dem Motor unter der Lufthutze der Motorhaube. Technisch nennt man das einen Top-Mount-Intercooler. Der kalte Fahrtwind strömt durch die feinen Aluminiumlamellen des Kühlers und entzieht der durchströmenden, stark verdichteten Ladeluft die Hitze. Die Luft kühlt ab, wird dichter und transportiert so erheblich mehr Sauerstoff in die Zylinder. Mehr Sauerstoff erlaubt es dem Motorsteuergerät, die Einspritzmenge des Diesels optimal nach oben anzupassen, was zu einer sauberen Verbrennung, weniger Ruß aus dem Auspuff und der vollen Leistungsausbeute führt.

Wenn dieser sensible Wärmeaustausch durch Verschmutzung gestört wird, steigen die Verbrennungstemperaturen im Zylinderkopf an. Der Motor rußt stärker, weil Sauerstoff fehlt, und es fehlen spürbar Newtonmeter Drehmoment. Gerade auf langen Etappen, wenn der Motor stundenlang unter Last arbeitet, ist ein intaktes Temperaturmanagement überlebenswichtig für die Mechanik.

Die Öl-Problematik: Woher kommt der schwarze Schlamm im Ansaugtrakt?

Bevor ich gleich die Werkzeugkiste aus dem Heckauszug hole, kläre ich erstmal, woher das Öl im Kühler überhaupt kommt. Viele T4-Besitzer geraten in Panik, wenn sie die dicken Ladeluftschläuche abziehen und es ihnen schwarz und ölig entgegen tropft. Oft wird dann sofort ein defekter Turbolader mit ausgeschlagenen Gleitlagern vermutet. Das ist in den allermeisten Fällen jedoch unbegründet. Es ist konstruktionsbedingt völlig normal, dass sich im Ladeluftsystem eines älteren Turbodiesels ein leichter Ölfilm bildet.

Dieses Öl stammt primär aus der Kurbelgehäuseentlüftung. Wenn der Motor läuft, entstehen im Kurbelgehäuse durch die extremen Drücke sogenannte „Blow-by-Gase“ – Gase, die trotz intakter Kolbenringe an den Zylinderwänden vorbei nach unten in den Motorblock drücken. Diese Gase sind durch die Rotation der Kurbelwelle stark mit feinstem Ölnebel gesättigt. Aus Umweltschutzgründen dürfen diese ölhaltigen Gase nicht einfach ins Freie oder auf die Straße geleitet werden. Sie werden über ein spezielles Ventil (das runde, schwarze Kunststoffteil auf dem Ventildeckel) wieder der Ansaugluft vor dem Turbolader zugeführt, um sie im Motor umweltgerecht zu verbrennen.

Auf dem Weg in den Brennraum passieren diese ölhaltigen Gase zusammen mit der heißen Ladeluft den Ladeluftkühler. Kühlt die Luft dort nun ab, kondensiert der feine Öldampf unweigerlich an den kühlen Aluminium-Innenwänden. Mit den Jahren und Jahrzehnten sammelt sich so eine beachtliche Menge an schwarzem, zähem Ölschlamm an.

Technischer Fakt: Ölablagerungen an den inneren Aluminiumkanälen des Ladeluftkühlers bilden eine stark isolierende Schicht, die den thermischen Wirkungsgrad messbar senkt und die Ladelufttemperatur drastisch ansteigen lässt. Wenn Du den VW T4 Ladeluftkühler reinigen möchtest, verwende zur internen Spülung ausschließlich rückstandsfreie Kaltreiniger oder Bremsenreiniger. Lasse den Kühler vor dem Wiedereinbau mindestens zwei Stunden vollständig auslüften. Verbleibende brennbare Dämpfe können beim ersten Startversuch zum unkontrollierten Hochdrehen des Dieselmotors (Runaway-Diesel) führen.

Eine dicke Isolierschicht aus Öl im Inneren verhindert den effizienten Wärmeaustausch von der Luft an das Aluminium. Der Ladeluftkühler wird praktisch nutzlos. Zudem drückt sich das kriechende Öl mit der Zeit durch die Verbindungen der Schläuche und saut den gesamten Motorraum von oben bis unten ein. Wenn der Motorblock unterhalb des Ladeluftkühlers stark ölverschmiert ist, hast Du den Übeltäter gefunden.

Ausgeschlagene Haltegummis: Wenn die Vibrationen zerstörerisch werden

Kommen wir zum zweiten, mechanischen Teil des Problems. Der Ladeluftkühler sitzt beim T4, wie erwähnt, flach über dem Ventildeckel. Gehalten wird er von Halteböcken aus Metall, in denen kleine Gummi-Schwingungsdämpfer sitzen. Die Aufgabe dieser Bauteile ist enorm wichtig: Sie müssen den empfindlichen Aluminiumkühler von den Vibrationen des Fünfzylinders komplett entkoppeln.

Nach über zwanzig Jahren im ständigen Wechsel aus enormer Motorhitze im Sommerstau, eiskaltem Winterwind durch den Kühlergrill, stetigem Kontakt mit Motoröl und dauerhafter mechanischer Bewegung sind diese Originalgummis meist am Ende ihrer Lebensdauer. Sie werden knochenhart, schrumpfen, reißen in der Mitte durch oder zerbröseln.

Das Resultat: Der Kühler verliert seinen festen, aber gedämpften Sitz und liegt völlig locker in der Halterung. Wenn der Motor nun beim Anlassen, beim typischen TDI-Schütteln während des Abstellens oder unter starker Last beim Beschleunigen in seinen Motorlagern kippt, schlägt der Ladeluftkühler metallisch gegen seine eigenen Halteklammern. Er wandert nach oben und scheuert an der hitzebeständigen Schallschutzmatte der Motorhaube oder kratzt sogar direkt am lackierten Blech. Wenn Du an den äußeren Kühllamellen auf der Oberseite blanke, silbrig abgeriebene Stellen siehst, musst Du sofort handeln, bevor das weiche Aluminium durchscheuert und der Kühler irreparabel undicht wird.

Das benötigte Werkzeug und Material

Für diese Wartungsarbeit braucht man keine Hebebühne. Man kann das bequem vor der Haustür, auf dem heimischen Hof oder sogar auf einem Campingplatz erledigen. Während mein Bus mit eingelegtem Gang und Handbremse sicher steht, hole ich mir meine Werkzeugkisten aus der Heckschublade. Ich lege mir folgendes Werkzeug bereit:

  • Steckschlüsselsatz: Ein hochwertiger Ratschenkasten mit 10er und 13er Nüssen. Für einige Baujahre und Ausstattungen benötigst Du eventuell noch Torx-Einsätze für den Frontgrill.
  • Schraubendreher: Große und kleine Kreuz- und Schlitzschraubendreher für diverse Kunststoffblenden und Klammern.
  • Schlauchschellenzange: Die originalen Federbandschellen von VW am Ladeluftsystem sind extrem stramm. Eine spezielle Zange mit Bowdenzug oder abgewinkelten Backen spart Dir hier Nerven, Zeit und blutige Hautabschürfungen an den Knöcheln. Eine gute Wasserpumpenzange funktioniert zur Not auch, rutscht aber leichter ab.
  • Reinigungsmittel: Mindestens 3 bis 4 große Dosen hochwertigen, rückstandsfreien Bremsenreiniger. Kaufe hier nicht die allergünstigste Variante aus dem Baumarkt, die fettlösende Reinigungsleistung ist entscheidend für den Erfolg.
  • Druckluft: Ein Kompressor mit einer feinen Ausblaspistole ist hilfreich für die Trocknung des Kühlers.
  • Werkzeug zur Pflege: Ein spezieller Lamellenkamm für Klimakondensatoren und Kühler, um verbogene feine Bleche wieder aufzurichten (optional).
  • Auffangbehälter: Eine alte, saubere Kunststoffwanne für den extrem schmutzigen, ablaufenden Bremsenreiniger. Bedenke, dass dieses Gemisch später fachgerecht über den Wertstoffhof entsorgt werden muss!
  • Arbeitsschutz: Eine Schutzbrille und chemikalienfeste Nitril-Handschuhe. Das Gemisch aus altem Motoröl und Bremsenreiniger ist stark haut- und augenreizend.
  • Ersatzteile: Vier neue NBR-Gummilager für den Ladeluftkühler. Die VW-Teilenummer lautet in der Regel 074 129 669, prüfe dies aber zur Sicherheit immer anhand der Fahrgestellnummer.
  • Drehmomentschlüssel: Ein kleiner, präziser Schlüssel, der im Bereich von 10 Nm exakt arbeitet, um die Gewinde im Aluminium nicht zu zerstören.

Mein Tipp: Besorge Dir die Gummilager unbedingt bevor Du mit dem Zerlegen Deines Motors beginnst. Ich habe schon oft erlebt, dass die alten Gummis beim bloßen Anschauen in Stücke zerfallen. Ohne Neuteile kannst Du das Ganze danach nicht mehr vibrationsfrei zusammenbauen.

Schritt-für-Schritt: Die VW T4 Ladeluftkühler reinigen Anleitung

Gehe bei dieser Arbeit mit Ruhe und System vor. Es ist absolut kein Hexenwerk, erfordert aber eine gewisse Sorgfalt. Achte peinlich auf Sauberkeit, damit kein Sand, Schmutz oder gar Werkzeugteile in die offenen Ladeluftschläuche und damit direkt in den Motor gelangen.

1. Die Frontgrill-Blende demontieren und den Kühler in Wartungsstellung bringen

Um an die hinteren Schlauchschellen des Ladeluftkühlers heranzukommen, brauchst Du Platz für Deine Hände und Zangen. Der T4 bietet hierfür die hervorragend durchdachte „Wartungsstellung“. Je nachdem, ob Du einen Bus mit kurzem Vorderwagen (KV), oder einem langen Vorderwagen (LV) besitzt, unterscheidet sich die Demontage der vorderen Maske leicht, das Prinzip bleibt jedoch identisch.

Zuerst schraubst Du die obere lackierte Kühlergrill-Blende ab. Löse die entsprechenden Kreuzschlitzschrauben, die das Blech von oben am Schlossträger halten. Hebe die Blende ganz vorsichtig an und ziehe sie mit leichtem Ruckeln nach oben ab. Achte auf die unteren Halteclipse aus Kunststoff. Alter Kunststoff bricht schnell ab, was später zu unschönen Spaltmaßen führt. Wenn das obere Blech verstaut ist, siehst Du links und rechts oben am Schlossträger die beiden großen Sechskantschrauben, die das gesamte vordere Kühlerpaket (den großen Wasserkühler samt den beiden Ventilatoren) in Position halten.

Entferne diese Schrauben. Nun kannst Du das gesamte Kühlerpaket vorsichtig in Deine Richtung nach vorne klappen. Keine Sorge, die Kühlwasserschläuche sind genau dafür ausreichend flexibel ausgelegt. Durch diesen simplen Trick gewinnst Du einige Zentimeter Platz im Motorraum, was die Demontage der Druckschläuche des Ladeluftkühlers erheblich erleichtert.

2. Den Ladeluftkühler sicher und fachgerecht ausbauen

Der Ladeluftkühler wird von zwei sehr dicken, schwarzen Druckschläuchen flankiert. Auf der Beifahrerseite kommt die vom Turbolader extrem komprimierte, heiße Luft an (Einlass). Auf der Fahrerseite verlässt die frisch abgekühlte Luft den Kühler in Richtung Ansaugkrümmer (Auslass).

Setze die Schlauchschellenzange an den kräftigen Federbandschellen an. Drücke die Zange fest zusammen und schiebe die nun entspannte Schelle ein gutes Stück den Schlauch hinunter, weit weg vom Aluminiumstutzen des Kühlers. Nun kommt der manchmal etwas mühsame Teil: Das Abziehen der dicken Gummischläuche. Das Gummi hat sich über die Hitze der Jahre oft regelrecht am Aluminium festgebissen und verbacken. Versuche, den Schlauch mit sanfter, aber bestimmter Kraft zu drehen, um die mikroskopische Verklebung zu lösen. Hilft das nicht, kannst Du vorsichtig mit einem abgerundeten, flachen Kunststoffkeil zwischen Schlauch und Stutzen fahren. Niemals mit einem scharfen Schraubenzieher hebeln – Du beschädigst sonst sofort den weichen Alustutzen oder ritzt den Schlauch ein, was später zu Ladedruckverlust führt.

Wenn beide Schläuche gelöst und zur Seite gedrückt sind, widmest Du Dich der mechanischen Befestigung. Der Kühler ist mit vier langen Sechskantschrauben (Schlüsselweite 10) in den Halteböcken verschraubt. Drehe diese heraus und lege sie beiseite. Jetzt kannst Du den Ladeluftkühler vorsichtig nach oben anheben und aus dem Motorraum manövrieren. Achte darauf, nicht an Kabelbäumen hängenzubleiben.

Mein Tipp: Stopfe zwei absolut saubere, fusselfreie Werkstattlappen in die nun offenen Enden der Ladeluftschläuche im Motorraum. Es darf unter keinen Umständen eine Schraube, eine Unterlegscheibe oder Dreck in das System fallen, das wäre der mechanische Tod für den Motor beim nächsten Start.

3. Die interne Spülung: Den hartnäckigen Ölschlamm chemisch auflösen

Jetzt wird es richtig schmutzig. Suche Dir einen gut belüfteten Platz im Freien und lege den Ladeluftkühler auf eine unempfindliche Arbeitsfläche oder Werkbank, bei der es nicht schlimm ist, wenn etwas stark verschmutzte Flüssigkeit daneben geht. Positioniere den ausgebauten Kühler so, dass die beiden Anschlussstutzen nach oben in den Himmel zeigen.

Zieh Nitril-Handschuhe an, setz die Schutzbrille auf und nimm eine Dose Bremsenreiniger. Sprühe großzügig in beide Öffnungen, bis sich ein kleiner, sichtbarer „See“ an Reiniger im Inneren bildet. Nun nimmst Du den Kühler in beide Hände und schwenkst ihn ausgiebig in alle Richtungen. Die Reinigungsflüssigkeit muss durch alle kleinsten Kanäle des Netzes fließen können. Lass das Lösungsmittel ein paar Minuten einwirken, damit es die jahrelang verkrusteten Ölschichten in den Ecken anlösen kann.

Anschließend drehst Du den Kühler über der bereitgestellten Auffangwanne um und entleerst ihn. Du wirst staunen, was für eine pechschwarze, zähe Brühe dort herauskommt, die aussieht wie flüssiger Teer. Wiederhole diese Spülung so oft, bis die Flüssigkeit, die aus dem Kühler in die Wanne läuft, klar und sauber ist. Das erfordert Geduld und verschlingt meist mehrere Dosen Reiniger. Doch nur ein sauberes inneres Netz kann später wieder optimal die Hitze an das Aluminium und somit an die Umgebungsluft abgeben.

4. Trocknung und absolute Sicherheit: Ein lebenswichtiger Schritt für den Dieselmotor

Ich kann es nicht oft genug betonen, daher noch einmal in aller Deutlichkeit: Dieser folgende Schritt entscheidet über Leben und Tod Deines Motors. Bremsenreiniger und Kaltreiniger bestehen aus leicht flüchtigen, hochgradig entzündlichen Kohlenwasserstoffen. Ein klassischer Dieselmotor arbeitet nach dem Prinzip der Selbstzündung durch starke Kompression. Er hat keine Zündkerzen, die den Takt vorgeben. Wenn Du den Ladeluftkühler noch nass oder voller Dämpfe einbaust und startest, saugt der Motor beim ersten Atemzug diese brennbaren Dämpfe an.

Er wird diese Dämpfe als hochpotenten, unkontrollierten Kraftstoff nutzen, völlig unabhängig von der Stellung Deines Gaspedals oder der Regelung der Einspritzpumpe. Der Motor dreht schlagartig bis weit über den roten Bereich des Drehzahlmessers hoch. Du kannst ihn nicht durch einfaches Abziehen des Zündschlüssels stoppen, da die Elektronik hier machtlos ist. Er wird so lange unkontrolliert hochdrehen, bis die Dämpfe komplett aufgebraucht sind oder – was meist sehr viel schneller passiert – die Pleuel durch den Block schlagen, die Ventile auf den Kolben aufsetzen und der Motor einen kapitalen Schaden erleidet.

Um dieses Szenario zu verhindern, nimmst Du nach der gründlichen Reinigung eine Ausblaspistole. Trockne das komplette Innere des Kühlers mit Druckluft im Gegenstromverfahren. Das bedeutet: Du bläst die Druckluft intensiv in den Auslass (die Seite, die zum Krümmer geht), sodass sie am Einlass (die Seite vom Turbo) wieder mit Druck austritt. Damit treibst Du das Lösungsmittel in genau der Richtung heraus, aus der es zusammen mit dem Öl ursprünglich in den Kühler gepresst wurde. Das löst oft noch letzte, versteckte Verkrustungen in den Randbereichen.

Nachdem Du gründlich ausgeblasen hast, legst Du den Kühler für mindestens zwei Stunden an einen warmen, gut durchlüfteten Ort – idealerweise in die pralle Sonne. Vor dem Einbau machst Du den Schnüffeltest: Rieche an beiden Anschlüssen. Es darf nicht mehr nach Lösungsmittel oder Alkohol riechen. Bist Du unsicher, warte lieber länger. Sicherheit geht hier absolut vor Ungeduld.

5. Äußere Reinigung und die empfindlichen Lamellen mechanisch richten

Während der Ladeluftkühler in der Sonne auslüftet, nutze ich die Zeit für die äußere, mechanische Reinigung. Ein sauberer LLK funktioniert physikalisch nur dann, wenn die Luft nicht nur innen ungehindert fließen, sondern auch außen frei durch das Netz strömen kann. Die feinen Aluminiumlamellen auf der Ober- und Unterseite setzen sich im Laufe der Jahre durch Insekten, Herbstblätter, feinen Staub und Straßenschmutz zu.

Nimm einen Eimer mit heißem Wasser, fettlösendem Spülmittel und eine weiche Kunststoffbürste. Reinige die Außenseite ohne starken Druck. Verwende unter gar keinen Umständen einen Hochdruckreiniger oder einen harten, fokussierten Wasserstrahl! Das feine Aluminium verbiegt sich bei Druck sofort, faltet sich dauerhaft zusammen und blockiert den Luftstrom dann endgültig.

Untersuche das Netz auf verbogene Lamellen. Oft entstehen diese durch unvorsichtig abgelegte Schraubenschlüssel bei früheren Reparaturen oder eben durch das permanente Scheuern an der ungeschützten Motorhaube. Nimm einen Lamellenkamm zur Hand. Suche Dir die passende Zahnung aus, die genau in die Abstände des VW-Kühlers passt. Setze den Kamm vorsichtig an und ziehe ihn mit sanftem, gleichmäßigem Zug durch die verbogenen Bereiche. So stellst Du die Lamellen wieder gerade. Es ist eine beruhigende Arbeit, die aber sicherstellt, dass die Kühlluft während der Fahrt wieder die maximale Oberfläche umströmen und kühlen kann.

6. Gummilager tauschen: Vibrationen stoppen

Nun geht es zurück an den offenen Motorraum des Busses. Bevor ich den sauberen Kühler wieder einsetze, müssen die fahrzeugseitigen Halterungen saniert werden. Entferne die kläglichen, harten Reste der alten Schwingungsdämpfer aus den vier Metallbügeln. Oft reicht dafür ein normaler Schlitzschraubendreher, um die Reste einfach herauszuhebeln oder herauszubrechen.

Wische die Halteböcke mit einem öligen Lappen sauber, um Rostansatz zu verhindern. ich sprühe hier etwas FluidFilm auf und wischen den Überschuss ab. Jetzt setzt Du die vier neuen NBR-Gummilager ein. NBR (Acrylnitril-Butadien-Kautschuk) ist ein spezieller synthetischer Kautschuk, der hochgradig beständig gegen Motoröle, Dieselkraftstoffe und hohe Umgebungstemperaturen ist. Genau das, was wir hier direkt über dem Motorblock brauchen. Die neuen Lager haben im Gegensatz zu den alten Gummis wieder ihre volle, dicke Materialstärke. Sie lassen sich daher anfangs oft etwas schwer in die Metallführungen drücken. Mein Tipp: Ein winziger Tropfen Silikonspray, Reifenmontagepaste oder einfach ein Tropfen Spülmittel am äußeren Rand des Gummis wirkt hier wahre Wunder. So flutschen sie fast von alleine an ihren vorgesehenen Platz und sitzen dort extrem stramm, wackelfrei und sicher.

Mit diesem Austausch hast Du die Grundursache für das nervige Klappern und das Scheuern behoben. Der Kühler ist nun wieder schwimmend gelagert, komplett entkoppelt von der Motorvibration des TDI und vor allem geschützt vor Ermüdungsrissen in den Aluminiumschweißnähten.

7. Der spannungsfreie Wiedereinbau des Systems

Sobald der Ladeluftkühler trocken, ausgelüftet und geruchsneutral ist, beginnt der Zusammenbau. Nimm zuerst die Lappen aus den Druckschläuchen im Motorraum. Setze den gereinigten Kühler in seine neuen Gummilager ein. Du wirst beim Einsetzen merken, wie viel straffer und satter er nun über dem Motor sitzt, ohne Spiel zu haben.

Stecke die vier Befestigungsschrauben mit der Hand in die Gewinde, aber ziehe sie noch nicht fest! Das ist wichtig für die spannungsfreie Montage. Schiebe nun die dicken Ladeluftschläuche wieder bis zum Anschlag auf die Stutzen des Kühlers. Positioniere die Federbandschellen mit der Zange wieder dort, wo sie vorher saßen. Man sieht den alten Abdruck im Gummi meist sehr deutlich als tiefe Rille. Sitzt die Schelle nicht in diesem alten Abdruck, kann sie undicht werden und abrutschen.

Erst wenn beide Schläuche sitzen, der Kühler nirgendwo unter Zug steht und seine natürliche Position in den Gummis gefunden hat, nimmst Du den Drehmomentschlüssel zur Hand. Ziehe die vier efestigungsschrauben mit 10 Nm an. Das ist nicht viel Kraft (es entspricht etwa „handfest“), aber völlig ausreichend. Wenn Du sie zu fest anknallst, zerquetschst Du die neuen NBR-Gummis sofort wieder und zerstörst ihre Dämpfungswirkung. Zudem reißt das weiche Aluminiumgewinde extrem schnell aus und der Haltebock ist ruiniert.

Zuletzt klappst Du das große vordere Kühlerpaket wieder zurück in seine ursprüngliche Position, befestigst die zwei großen Schrauben am Schlossträger und montierst die obere, lackierte Frontgrill-Blende wieder in umgekehrter Reihenfolge, wobei Du auf die Clipse achtest.

Der erste Motorstart und Dichtheitsprüfung

Räume Dein Werkzeug aus dem Motorraum. Kontrolliere nun noch einmal alles doppelt und dreifach. Hast Du wirklich alle Stecker (wie etwa vom Luftmassenmesser oder anderen Sensoren), die Du vielleicht zur Seite gelegt hast, wieder hörbar eingerastet/aufgesteckt?

Starte den Motor. Wenn Du meine Ratschläge zur Trocknung befolgt hast, wird der ACV völlig normal und unspektakulär anspringen und direkt in seinen stabilen Leerlauf fallen. Lass den Motor laufen und gehe nach vorne an die Haube. Horche genau hin: Das nervige, metallische Klappern des Kühlers sollte verschwunden sein. Gib per Hand direkt an der Mechanik der Einspritzpumpe im Motorraum oder durch eine zweite Person im Innenraum am Gaspedal einige kräftige Gasstöße.

Dabei achtest Du auf die Anschlüsse der Schläuche am Ladeluftkühler. Es darf kein zischendes, fauchendes Geräusch zu hören sein. Ein Zischen würde bedeuten, dass Ladedruck in die Umwelt entweicht. Ein solcher Ladedruckverlust (im Fachjargon Boost Leak) ist absolut fatal für die Motorleistung. Die vom Luftmassenmesser gemessene Luftmenge stimmt dann nicht mehr mit der tatsächlichen Sauerstoffmenge im Zylinder überein. Das Motorsteuergerät spritzt weiterhin munter Diesel für Luft ein, die längst in die Umwelt entwichen ist. Die Folge: Ein enormer Leistungsverlust am Berg, extremes Rußen aus dem Auspuff und ein steigender Spritverbrauch. Solltest Du ein solches Zischen vernehmen, stelle den Motor ab und überprüfe den korrekten Sitz der Federbandschellen und den Zustand der Schläuche auf eventuelle Risse.

Wenn alles absolut dicht ist, der Motor ruhig schnurrt und der Kühler fest, aber elastisch in seinen neuen Gummis liegt, schließe die Motorhaube. Schau auf das Spaltmaß – der Kühler sollte mehr als genug Luft zur Dämmmatte haben, ohne sie zu berühren.

Sensorik und Probefahrt

Die Ansauglufttemperaturen (Intake Air Temperature) überwache ich über die OBDII-Schnittstelle. Nach einer solchen intensiven Reinigung, gerade wenn der Kühler vorher extrem verölt war, sieht man an warmen Sommertagen oft eine messbare Reduzierung der Ansaugtemperatur unter Volllast.

Fahre den Motor behutsam warm und teste ihn dann auf einem freien Stück Autobahn unter Volllast. Wenn Du beschleunigst, wirst Du feststellen, dass der Bus, gerade im mittleren Drehzahlbereich, wieder merklich freier und williger hochdreht. Das volle Drehmoment liegt sauberer an. Es ist natürlich kein wundersames Chiptuning, aber Du hast Deinem Motor schlichtweg die thermodynamischen Bedingungen zurückgegeben, unter denen er ab Werk konstruiert wurde. Die thermische Entlastung für den Zylinderkopf und die Auslassventile ist enorm und trägt maßgeblich zur legendären Langlebigkeit dieser Motoren bei.

Damit mein T4 für die nächsten Reisen, im Alltag oder bis tief auf die Schotterpisten in die Karpaten gewappnet ist, behalte ich dieses System immer im Auge. Ich greife einfach mal mit der Hand oben an den Ladeluftkühler und wackle leicht daran. Solange er stramm in den Gummis sitzt und nicht klappert, ist mechanisch alles in bester Ordnung.

Solltes ich allerdings feststellen, dass sich nach nur wenigen Monaten wieder Pfützen von Öl im Kühler oder den Schläuchen sammeln, prüfe ich die Kurbelgehäuseentlüftung. Wenn dieses Ventil durch Alterung permanent offensteht, drückt es Motoröl durch den Ansaugtrakt. Auch ein Check des Turboladers auf zu großes Radialspiel der Welle ist dann ratsam, bevor sich dieser mit einem Knall verabschiedet.

Hast Du die Haltegummis bei Deinem eigenen Bus schon einmal gewechselt oder standest Du auch schon vor einem pechschwarz verölten Ladeluftkühler? Welche Reinigungsmittel und Techniken haben bei Dir am besten funktioniert? Lass es mich wissen und schreib mir gerne einen Kommentar unter diesen Beitrag auf dem Blog. Der Erfahrungsaustausch unter T4-Schraubern ist durch nichts zu ersetzen.

Gute Fahrt, viel Erfolg beim Schrauben und bis zum nächsten Projekt an unserem Bulli!